die ursprüngliche substanz des historischen steinhauses im dorfkern von scaiano besteht aus dem hauptbau mit gewölbekeller und zwei darüber liegenden geschossen, welche küche, wohn- und schlafräume beherbergten, darüber bestand ein estrich.

ein anbau, welcher später dazukam, ebenfalls komplett in massivem natursteinmauerwerk

errichtet, enthielt im erdgeschoss eine kleine traubenschnapsbrennerei, darüber ein zimmer und dachboden. eine vor der fassade des hauptbaus steinerne aussentreppe, welche die oberen geschosse erschloss, sowie beidseitige abgrenzungsmauern dürften gleichzeitig mit dem anbau erstellt worden sein.

talseitig vor dem hauptbau bestand ursprünglich - in der zeit vor dem anbau - ein kleiner offener platz,

der einzige im dorfgefüge.

 

das gebäude, seit über zwei jahrzehnten vor dem umbau nicht mehr bewohnt, aber mit einem etwas provisorischen dach vor dem zerfall geschützt, bedurfte einer kompletten sanierung, um an die zeitgemässen bedürfnisse an wohnkomfort und gebäudetechnik und -isolation angepasst zu werden.

das natursteinmauerwerk konnte weitgehend erhalten werden, wurde innen gedämmt und aussen mit kalkzementmörtel neu ausgefugt.

sämtliche holzbalkenböden wurden durch betondecken ersetzt, welche die alten mauern

zusätzlich versteifen.

auf dem haupthaus wurde ein neues schrägdach in holzkonstruktion - von der dorfgasse aus gesehen - nicht sichtbar in das steingemäuer eingefügt, während das dach des anbaus als begehbare

dachterrasse mit massiven mauerbrüstungen und naturstein-gepflastertem boden ausgebildet wurde.

 

ein zentrales architektonisches ziel des baulichen eingriffes war es, die kraft der massiven steinmauern und die archaische einfachheit des volumens des historischen gebäudes herauszuarbeiten, und diesem zu neuer ausstrahlung zu verhelfen.

so wurde auch die äussere steintreppe entfernt, womit wieder ein kleiner dorfplatz vor dem haus entstand, mit brunnen und sitzbank, welcher zu spontanen begegnungen einlädt.

 

der alte gewölbekeller wurde zum haupteingang aufgewertet: er wurde aufgeteilt in eine unbeheizte eingangshalle als vorzone, und beheiztem entrée mit garderobe und dusche im bergseitigen teil. seitlich wurde eine verbindungsöffnung aus den steinmauern herausgefräst, in welche die treppe zu den obergeschossen eingefügt wurde.

die um einige stufen erhöhte alte traubenschnapsbrennerei wurde ebenfalls seitlich mit der gewölbehalle verbunden und wurde als kühle sommeraussenloggia mit einer einfachen neuen feuerstelle aus rohstahl ausgestaltet.

 

die beiden talseitigen schlafzimmer im ersten geschoss, sowie wohnraum / küche im zweiten geschoss sind zum see hin mit einer um ca. 60 cm vor den alten steinmauern zurückversetzten glasfront gegen das aussenklima abgeschlossen, gleichsam eine zweite gläserne fassadenhaut hinter der eigentlichen fassade. diese aussenzone ist grösstenteils nicht überdacht und frei beregnet. diese konzeption erlaubte einerseits die authentische erhaltung der historischen steinfassade, welche von der geschichte des hauses erzählt, andererseits generiert sie für die räume zenitales licht und einen aussergewöhnlichen sonneneinfall und lichtreflektionen, was sonst in der dorfstruktur mit den engen gassen nicht möglich gewesen wäre.

 

die materialisation im innern ist dem archaischen bestand angepasst: naturbelassene imprägnierte zementböden, steingrauer verputz für wände und decken, geöltes lärchenholz für schreinerarbeiten und küche.

 

die neuen eingriffe setzen sich nicht kontrastierend vom bestand ab, sondern sind mit diesem gleichsam verschmolzen, sodass ein neues ganzes von alt und neu entsteht.

 

 

fotos: h.henz architekturfotograf, zürich   www.hanneshenz.ch